Erfolgsfaktor Mensch: Wie digitale Transformation in der Baubranche wirklich gelingt
KI und Software allein reichen nicht aus. Zwei Experten zeigen, warum der Mensch im Mittelpunkt jedes Digitalisierungsprojekts s
Digitale Transformation in der Baubranche ist kein Zukunftsthema mehr. Sie ist längst Gegenwart und sie verläuft schneller, als viele Unternehmen es wahrhaben wollen. Doch während Technologien und KI-Tools immer leistungsfähiger werden, bleibt eine Frage oft unbeantwortet: Wie gelingt es, die Menschen mitzunehmen, die täglich mit diesen Veränderungen umgehen müssen?
Genau dieser Frage widmet sich eine Veranstaltung des Immobilien Digital Forums mit zwei Experten, die Digitalisierung nicht nur theoretisch denken, sondern sie in der Praxis gestalten. Andreas Konle, Geschäftsführer von Property Max, zeigt, wie künstliche Intelligenz in der frühen Bauplanungsphase echten wirtschaftlichen Mehrwert schafft. Philip Dennisov von 123erfasst erklärt, warum die Einführung digitaler Software in Bauunternehmen vor allem eine menschliche Herausforderung ist. Beide sind sich einig: Technologie allein verändert nichts. Es kommt darauf an, wer sie wie einsetzt.
Die Digitalisierung wartet nicht: Warum jetzt der richtige Moment ist
Die Baubranche steht unter Druck. Steigende Kosten, schwieriges Zinsniveau und ein anspruchsvolles Marktumfeld zwingen Unternehmen dazu, effizienter zu werden. Gleichzeitig nimmt die digitale Transformation an Fahrt auf, und zwar nicht linear, sondern exponentiell.
Andreas Konle veranschaulicht das mit einem eindrücklichen Bild. Man stelle sich vor, in der Allianz Arena würden in die Mitte des Spielfelds Wassertropfen fallen, die sich alle zwei Sekunden verdoppeln. Nach acht Minuten wäre im Anstoßkreis kaum mehr als eine kleine Pfütze zu sehen. Niemand würde sich Sorgen machen. Doch bereits eine Minute später wäre das Stadion randvoll. Genau so verhalte es sich mit der Digitalisierung. Wer zu lange wartet, dem läuft die Zeit davon.
Nach Konles Überzeugung liegt die Zukunft dabei im Teamsport. Kein Unternehmen kann alle notwendigen Kompetenzen alleine aufbauen. Neue Allianzen und Kooperationen werden zur Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, so wie es in der Automobilindustrie bereits zu beobachten ist, wo etablierte Hersteller heute mit Technologieunternehmen zusammenarbeiten, die vor wenigen Jahren noch undenkbar als Partner gewesen wären.
KI in der Bauplanung: Wenn Algorithmen den Architekten zum besseren Ergebnis führen
In der frühen Phase eines Immobilienprojekts werden Weichen gestellt, die später kaum noch zu korrigieren sind. Genau hier setzt der Ansatz von Property Max an. Mithilfe von Algorithmen und künstlicher Intelligenz werden Baurechtspotenziale auf einem Grundstück analysiert und optimale Baukörper berechnet, lange bevor der Architekt mit dem Entwurf beginnt.
Der Prozess läuft in zwei Stufen ab. In einem ersten Schritt wird quantitativ optimiert: Aus bis zu 30 Parametern berechnet das System zehntausende mögliche Varianten und findet die Kubatur mit der maximalen Geschossfläche. In einem zweiten Schritt folgt die qualitative Optimierung: Wie lassen sich innerhalb des Baukörpers Wohnungsmix, Flächeneffizienz und Belichtung so gestalten, dass die Nutzungsqualität maximal ist? Eine Flächeneffizienz von 87 Prozent statt der branchenüblichen 80 Prozent klingt nach einer kleinen Verbesserung, bedeutet in der Praxis aber eine direkte Steigerung der Ertragskraft ohne nennenswerte Mehrkosten für den Bauherrn.
An einem konkreten Projekt konnte der Gesamtwert durch beide Optimierungsstufen um 34 Prozent gesteigert werden. Projekte, die rechnerisch nicht mehr rentabel schienen, wurden so wieder in die Gewinnzone gebracht. Dabei versteht sich der Ansatz ausdrücklich nicht als Ersatz für Architektur, sondern als Grundlage für sie. Die Maschine liefert die optimale Vorgabe, der Mensch schafft daraus Baukunst.
Architekten, die keine künstliche Intelligenz und keine Tools der Digitalisierung verwenden, werden durch Player in der Bauindustrie ersetzt werden, die künstliche Intelligenz und die Digitalisierung benutzen und vorantreiben. Das ist unsere ganz feste Überzeugung.
Andreas Konle
Property Max
Von der Software zum Alltag: Die größte Lücke in der Digitalisierung
Eine aktuelle Studie von PwC zur deutschen Baubranche zeichnet ein ernüchterndes Bild. 85 Prozent der Unternehmen spüren extremen Kostendruck, gleichzeitig besteht ein enormer Nachholbedarf bei der Digitalisierung. 82 Prozent scheitern an fehlendem Know-how, 80 Prozent an analogen Genehmigungsverfahren. Doch eine Zahl sticht besonders heraus: 56 Prozent der Digitalisierungsvorhaben scheitern an mangelnder Akzeptanz bei den Mitarbeitern.
Genau hier setzt Philip Dennisov an. In seiner täglichen Arbeit bei der Einführung von Bausoftware erlebt er immer wieder dasselbe Muster. Die Technik wird angeschafft, eingerichtet und erklärt. Dennoch greifen viele Mitarbeiter weiterhin zum Zettel. Software und Papier laufen parallel, der erhoffte Effizienzgewinn bleibt aus, die Frustration wächst auf allen Seiten.
Das eigentliche Problem liegt nicht in der Technologie, sondern im Umgang mit Veränderung. Wer eine neue Software einführt, verändert Gewohnheiten, Abläufe und das tägliche Erleben der Arbeit. Dieser Prozess beginnt nicht mit einem Klick, sondern im Kopf der Menschen, die damit arbeiten sollen.
Das Ziel muss sein, die Lücke zwischen Software gekauft und Software genutzt zu schließen.
Philip Dennisov
123erfasst
Drei Säulen, fünf Schritte: So funktioniert erfolgreiche Software-Einführung
Aus seinen Erfahrungen in der Praxis hat Philip Dennisov einen konkreten Fahrplan entwickelt, der auf drei Säulen ruht: Kommunikation, Beteiligung und Nutzenorientierung.
Kommunikation bedeutet dabei weit mehr als eine einmalige Ankündigung. Mitarbeiter müssen früh, verständlich und wiederholt abgeholt werden, und zwar nicht mit Fachbegriffen wie Effizienz oder Quickwins, sondern mit Bildern aus ihrer konkreten Arbeitswelt. Weniger Zettel und früher Feierabend transportiert den Nutzen einer neuen Software für jemanden auf der Baustelle weit besser als jedes Managementvokabular.
Beteiligung heißt, Multiplikatoren zu finden, die von der Lösung überzeugt sind und diese Überzeugung ins Team tragen. Statt alle Mitarbeiter auf einmal umzustellen, empfiehlt Dennisov den Einstieg über kleine Pilotprojekte. So entsteht Schritt für Schritt Vertrauen, ohne dass das Gefühl der Überforderung entsteht.
Nutzenorientierung schließlich bedeutet, den Mehrwert sichtbar zu machen, für jede Gruppe unterschiedlich. Was die Lohnabrechnung interessiert, unterscheidet sich grundlegend von dem, was einen Polier auf der Baustelle bewegt. Beide brauchen eine Antwort auf ihre spezifische Frage: Was habe ich davon?
Aus diesen drei Säulen leitet Dennisov einen Fünf-Schritte-Fahrplan ab. Klar kommunizieren, Verbündete finden, mit einem Pilotprojekt starten, eine offene Feedbackkultur etablieren und Erfolge sichtbar machen. Jede Phase hat ein greifbares Ergebnis, das Teams spüren und verstehen können.
Ausblick: Was die Baubranche 2026 braucht
Die vollautomatisierte, KI-gesteuerte Baustelle ist noch Zukunftsmusik. Sowohl Konle als auch Dennisov sind sich darin einig, dass die durchgehende Digitalisierung der Baubranche, vom Entwurf bis zur Genehmigung, noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Zu fragmentiert sind die Prozesse, zu langsam schreiten digitale Genehmigungsverfahren voran, zu verteilt sind die heute verfügbaren Einzellösungen.
KI und Software-Roboter leisten bereits wertvolle Dienste, aber als Unterstützung für den Menschen, nicht als sein Ersatz. Wer heute Abrechnungen automatisiert, Zeiterfassung digitalisiert oder Baurechtspotenziale per Algorithmus berechnet, schafft sich Vorteile im Wettbewerb. Nicht weil die Technologie für sich allein entscheidet, sondern weil sie denjenigen stärkt, der sie richtig einsetzt.
Was die Branche für 2026 braucht, ist daher weniger ein großer technologischer Sprung als eine klare Haltung. Unternehmen, die nicht jeder neuen Lösung hinterherlaufen, sondern eine eigene Digitalisierungsstrategie entwickeln, die selektiv vorgehen, die richtigen Tools für ihre spezifischen Herausforderungen auswählen und dabei die Menschen im Blick behalten, die täglich damit arbeiten. Die außerdem verstehen, dass Technologie nur dann Wirkung entfaltet, wenn sie angenommen wird.
Wie gelingt digitale Transformation in der Baubranche wirklich? Andreas Konle und Philip Dennisov geben in ihrer gemeinsamen Veranstaltung konkrete Antworten aus der Praxis. Schauen Sie sich die vollständige Aufzeichnung an und nehmen Sie die Impulse direkt mit in Ihren Arbeitsalltag.
Hinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurden KI-Tools eingesetzt.
Verfasser
Team immobilien.digital.forum
Eine Plattform der GFKD - Gesellschaft für Kommunikation und Digitalisierung AG
Wir begleiten die Immobilienbranche bei der Gestaltung von zukunftsorientierten Arbeitswelten.
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Anwendungsexperten berichten, wie Bauunternehmen digitale Prozesse erfolgreich umsetzen: Strategien für Teamakzeptanz und KI-gestützte Optimierung in der Projektentwicklung.